Preisträger 2026
1. Platz (12.000 Euro): Die Gute Stunde I humaQ gGmbH, Wiesbaden
„Die Gute Stunde“ holt Menschen ab 60 Jahren über Kultur in die digitale Welt: Seit 2021 finden regelmäßig kostenfreie, interaktive Online-Veranstaltungen per Videokonferenz statt – Lesungen, Konzerte, Kreativwerkstätten, Bewegungsformate. Über 190 Live-Veranstaltungen mit mehr als 4.500 Gästen sind so zusammengekommen.
Der Zugang ist bewusst niedrigschwellig: Anmeldung ohne Vorkenntnisse, telefonische Technikhilfe, Vermittlung digitaler Begleiter*innen und Leih-Tablets bei Bedarf. Zudem ist das Angebot kostenlos. Teilnehmende schauen nicht nur zu, sondern gestalten mit – vom Wunschkonzert bis zur Krimi-Rätsellesung. Neben der Teilnahme von zu Hause gibt es Gruppenformate in Pflegeeinrichtungen und Seniorentreffs. So wirkt das Projekt gleich doppelt: Es baut Berührungsängste gegenüber Technik ab und schafft verlässliche Begegnungsräume gegen Einsamkeit im Alter.
Das sagt die Jury:
„Die Gute Stunde“ tut etwas, das leichter klingt, als es ist. Sie holt Menschen ab 60 nicht mit Technikkursen in die digitale Welt, sondern mithilfe der Kultur: Mit einer Lesung. Mit einem Konzert. Mit einer Kreativwerkstatt. Seit 2021 sind so über 190 Live-Veranstaltungen zusammengekommen, mehr als 4.500 Gäste waren dabei – kostenfrei, von zu Hause aus, per Videokonferenz. Der Zugang ist so einfach, dass ihn jede und jeder hinbekommt. Anmeldung ohne Vorkenntnisse, Technikhilfe am Telefon, digitale Begleiterinnen und Begleiter, ein Leih-Tablet, wenn keines vorhanden ist. Wer teilnimmt, schaut nicht nur zu, sondern gestaltet mit – vom Wunschkonzert bis zur Krimi-Rätsellesung. In Pflegeeinrichtungen und Seniorentreffs kommen ganze Gruppen zusammen. Dieses Projekt wirkt doppelt, und genau das hat die Jury überzeugt: Es nimmt älteren Menschen die Scheu vor der Technik und es schafft etwas, das im Alter immer kostbarer wird – einen verlässlichen Termin in der Woche, an dem man erwartet wird, bei dem man mit Anderen zusammentrifft. Einsamkeit im Alter ist eine der großen sozialen Herausforderungen unserer Zeit. „Die Gute Stunde“ beantwortet stellt sich ihr entgegen - nicht mit einem Gerät, sondern mit einer persönlichen Einladung. Das ist digitale Solidarität, wie ich sie mir wünsche: Die Technik tritt in den Hintergrund, die Menschen treten in den Vordergrund. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz des Hessischen Sozialpreises 2026!
2. Platz (8.000 Euro): Innovationsraum - Digitale Teilhabe für alle I Bildungsgabe e.V., Frankfurt
Der Innovationsraum ist ein offener Technik- und Begegnungsort mitten im Quartier Ben-Gurion-Ring, einem der bekanntesten sozialen Brennpunkte Frankfurts mit über 6.500 Bewohner*innen. Seit dem Aufbau 2024 stehen dort kostenfrei leistungsstarke PC-Arbeitsplätze, VR-Systeme, 3D-Drucker, KI-Software sowie Podcast- und Audiotechnik zur Verfügung – ohne Anmeldung und ohne Vorkenntnisse.
Rund 90 Prozent der über 200 Besucher*innen kommen direkt aus der angrenzenden Wohnsiedlung. Entscheidend ist der Peer-to-Peer-Ansatz: 12 bis 15 Jugendliche engagieren sich regelmäßig ehren-amtlich, leiten Workshops und begleiten jüngere Kinder. Rund 80 Prozent der regelmäßigen Teilneh-menden geben an, durch das Projekt neue Kompetenzen erworben zu haben. Der Raum ist eng mit Jugendhaus, Quartiersmanagement, Schulen und Museen vernetzt und wurde 2025 bereits mit dem Hessischen Integrations- und Teilhabepreis ausgezeichnet.
Das sagt die Jury:
Der Innovationsraum von Bildungsgabe liegt mitten im Frankfurter Quartier Ben-Gurion-Ring, einer Wohnsiedlung mit über 6.500 Menschen. Seit 2024 stehen dort leistungsstarke Rechner, VR-Systeme, 3D-Drucker, KI-Software und Podcast-Technik für Interessierte bereit – kostenfrei, ohne Anmeldung, ohne Vorkenntnisse. Neun von zehn Besucherinnen und Besuchern kommen direkt aus der Nachbarschaft. Was diesen Ort trägt, sind aber nicht die Geräte. Es sind die Jugendlichen. Zwölf bis fünfzehn von ihnen engagieren sich regelmäßig ehrenamtlich, leiten Workshops und nehmen die Jüngeren an die Hand. Rund 80 Prozent der regelmäßig Teilnehmenden sagen, dass sie hier neue Fähigkeiten erworben haben. Das ist der Punkt, der die Jury überzeugt hat: Digitale Teilhabe entsteht hier nicht als Angebot von außen, sondern durch die Menschen im Quartier selbst. Der Raum ist eng vernetzt – mit dem Jugendhaus, dem Quartiersmanagement, mit Schulen und Museen. Herzlichen Dank für Euer Engagement und Gratulation zum zweiten Platz!
3. Platz (4.000 Euro): Onlineplattform für Migrantinnen und die Migrantengemeinschaft I ELAS e.V., Kassel
ELAS ist ein Kollektiv migrantischer Frauen aus Kassel, das seit über zwei Jahren Räume der Zugehörigkeit schafft. Digitale Werkzeuge machen dabei den Zugang zu lebenswichtigen Informationen einfacher – dort, wo Sprachbarrieren, fehlendes Ortswissen und unübersichtliche Zuständigkeiten sonst ausschließen.
Kern ist eine gemeinsam mit der Community entwickelte Plattform: ein partizipatives, mehrsprachiges Mapping zu Gesundheit, Bildung, Arbeit, Rechtsberatung, sozialen Diensten, Wohnen und Kultur – ergänzt um einen KI-gestützten Chatbot als niedrigschwellige erste Anlaufstelle, der auch bei dringenden oder emotional belastenden Fragen konkrete Hilfen in der Nähe anzeigt. Begegnungen, Workshops und kollektive Aktivitäten halten die Plattform an die tatsächlichen Bedarfe der Community gebunden; Kooperationen bestehen unter anderem mit dem Nordhessischen Verkehrsverbund und dem Programm Sozialinnovator Hessen.
Das sagt die Jury:
Wer neu in einem Land ist, verliert sehr viel Zeit mit Suchen. Wo finde ich eine Ärztin, die meine Sprache spricht? Wer hilft mir bei einem Mietvertrag? Wer kann mir bei Behördengängen helfen? ELAS räumt diese Hürden zur Seite. Das Kollektiv migrantischer Frauen aus Kassel hat gemeinsam mit der eigenen Community eine mehrsprachige Plattform entwickelt: ein Mapping zu Gesundheit, Bildung, Arbeit, Rechtsberatung, sozialen Diensten, Wohnen und Kultur, ergänzt um einen KI-gestützten Chatbot, der auch bei dringenden und emotional belastenden Fragen konkrete Hilfe in der Nähe anzeigt. Entscheidend ist hier der Peer-to-Peer-Charakter des Projektes. Die Plattform wurde nicht für eine Zielgruppe gemacht, sondern von ihr. Begegnungen, Workshops und gemeinsame Aktivitäten sorgen für ein Gemeinschafts-Gefühl. ELAS zeigt, dass digitale Werkzeuge dann am stärksten sind, wenn die Menschen, für die sie gedacht sind, selbst am Steuer sitzen. Liebe Frauen von ELAS, Sie schaffen Teilhabe und Gemeinschaft – analog wie digital. Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz!
3. Platz (4.000 Euro): UND App – Digitale Resonanzräume für eine solidarische Gesellschaft UND Marburg. Kirche die verbindet e. V., Marburg
UND Marburg ist ein sozial-kirchliches Startup im Evangelischen Kirchenkreis Marburg, das seit 2022 mit einer eigenen Community-App das Miteinander in der Stadt organisiert. Die App ist digitaler Türöffner und Innovationshub zugleich: Wer Hilfe braucht oder eine Idee hat, findet dort unkompliziert Nachbar*innen und Mitstreiter*innen.
Die Zahlen sprechen für sich (Stand Februar 2026): 1.748 Installationen bei 1.105 aktiven Registrierungen, 97.032 Nachrichten – davon 84.394 private Direktnachrichten, 958 von der Community initiierte Veranstaltungen sowie 311 Gesuche und 246 konkrete Hilfsangebote.
Barrierefreiheit versteht das Projekt dreidimensional: technisch (Bedienung für alle Generationen auf Smartphone, Tablet und im Browser), sozial (Safe Spaces, etwa für die queere Community) und ökonomisch (kostenfrei, ohne Abo). Ein zentraler Pfeiler ist die Unterstützung bestehender Angebote wie der „Guten Stube“ für Menschen, die von Einsamkeit, Obdachlosigkeit und Armut betroffen sind: Die App koordiniert die Helfenden, damit vor Ort Zeit für die persönliche Begegnung bleibt.
Das sagt die Jury:
In Marburg gibt es einen Platz, der „Gute Stube“ heißt. Menschen, die von Einsamkeit, Obdachlosigkeit und Armut betroffen sind, finden dort Wärme, ein Gespräch, eine Mahlzeit. Damit das funktioniert, müssen Helfende zur richtigen Zeit vor Ort sein. Genau das organisiert die UND-App – damit vor Ort Zeit ist für die Menschen und Ihre Anliegen. UND Marburg ist ein sozial-kirchliches Startup im Evangelischen Kirchenkreis Marburg. Seit 2022 macht die eigene Community-App Hilfsbereitschaft und Teilhabe sichtbar, greifbar. Und das läuft sehr erfolgreich: Über 1.100 aktive Registrierungen, mehr als 97.000 Nachrichten, fast tausend Veranstaltungen, die die Community selbst auf die Beine gestellt hat. Wirklich beeindruckend. Die App steht allen offen. Sie funktioniert auf Smartphone, Tablet und im Browser, ist generationenübergreifend bedienbar, bietet geschützte Räume für alle, die sie brauchen, und bleibt kostenfrei – ohne Abo und ohne Hürden. Für uns in der Jury ist das ein Musterbeispiel: Digitalisierung ersetzt hier kein Ehrenamt, sie entlastet es. Sie stellt nicht neue Angebote neben die alten, sie bringt zusammen, was es schon gibt. Das verdient Anerkennung und eine Auszeichnung! Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz!
Anerkennungspreis (2.000 Euro): Sozial + Digital = Teilhabe, Gesundheit und Zusammenhalt auf dem Land Miteinander – Füreinander Oberes Fuldatal e. V., Gersfeld
Der Nachbarschafts- und Generationenverein besteht seit 2007 und organisiert in drei Kommunen der osthessischen Rhön Fahrdienste zu Ärzt*innen und Therapien, Alltagshilfen und Begegnungsangebote wie Erzählcafés und Mittagstische. Seit 2016 kommt digitale Technik systematisch hinzu – von der Modellwohnung zum technikunterstützten Wohnen über regelmäßige Smartphone-Kurse und das „Smarte Frühstück“ als offenes Lernlabor bis zur datenschutzkonformen Organisation der Helfer- und Fahrdienstgruppen per Chat und Cloud. Leitlinie ist dabei: digitale Medien als Brücke zum analogen Erleben – die Angebote selbst finden immer in echter Begegnung statt.
Die Wirkung ist messbar: Fahranfragen werden zu nahezu 100 Prozent bedient, ehrenamtliche Zeit fließt ohne Reibungsverluste in die Menschen statt in Organisation, und ältere Menschen gewinnen genau die digitale Souveränität, die im ländlichen Raum beim Wegfall von Post, Bank, Fahrkartenschalter, Terminvergabe und E-Rezept über Selbstständigkeit entscheidet.
Das sagt die Jury:
Digitale Solidarität ist nicht nur in den Metropolen zuhause. Sie entsteht da, wo beispielsweise der Weg zur nächsten Praxis weit ist, wo Post, Bank und Fahrkartenschalter geschlossen haben und der Termin nur noch online zu bekommen ist. Genau dort, in der osthessischen Rhön, ist der Verein „Miteinander – Füreinander Oberes Fuldatal“ seit 2007 aktiv. Was hier gewachsen ist, ist ein Netz aus vielen Händen: Fahrdienste zu Ärztinnen und Ärzten und zu Therapien, Alltagshilfen, Erzählcafés und Mittagstische – getragen von Ehrenamtlichen in drei Kommunen. Seit 2016 unterstützt die Technik mit regelmäßigen Smartphone-Kursen, dem „Smarten Frühstück“ als offenes Lernlabor und der datenschutzkonformen Koordination der Helfergruppen per Chat und Cloud. Das Bemerkenswerte ist die Haltung dahinter: Digitale Medien sind hier nie Selbstzweck, sondern Brücke. Die Begegnung selbst findet immer analog statt, von Angesicht zu Angesicht. Die Technik ist hier Hilfsmittel - damit ehrenamtliche Zeit dort ankommt, wo sie hingehört: bei den Menschen. Dieses Projekt zeigt: Digitale Teilhabe auf dem Land ist keine Frage der Bandbreite, sondern eine Frage der Nachbarschaft. Aus Daten werden hier tatsächlich Taten – und aus Technik wird Zusammenhalt. Ein Beispiel, das viele ländliche Regionen in Hessen nachahmen können. Herzlichen Glückwunsch zum Anerkennungspreis!