Preisträger 2025

1. Platz (12.000 Euro): „Selbstbestimmt im Hüttendorf – Demokratie auf dem Bau“ I Kinder- und Jugendbauernhof Kassel e. V.

Der Kinder- und Jugendbauernhof Kassel bietet mit dem „Hüttendorf“ Kindern zwischen 6 und 14 Jahren eine niedrigschwellige Möglichkeit, Demokratie im Alltag zu erleben. Sie bauen gemeinsam, treffen Entscheidungen, lösen Konflikte und erleben Selbstwirksamkeit – unterstützt von pädagogischem Fachpersonal. Demokratische Werte wie Gleichberechtigung, Vielfalt und Meinungsfreiheit werden aktiv gefördert. Durch Kooperationen mit Schulen und dem Spielmobil entstehen neue Beteiligungsformate, die inklusive Teilhabe und zivilgesellschaftliches Engagement stärken. Auf dem Kinderbauernhof wird regelmäßig an einem „Hüttendorf“ aus Paletten gebaut. Es ist (k)ein Handwerksprojekt, es ist ein Demokratieprojekt. Alle Entscheidungen, was und wie gebaut oder abgerissen wird, werden gemeinsam und demokratisch getroffen. Alle können sich mit Vorschlägen einbringen, lernen sich abzusprechen und Kompromisse zu schließen.

Die Jury sagt: Das Hüttendorf des Kinder- und Jugendbauernhofs Kassel zeigt, wie gelebte Demokratie bei den Kleinsten beginnt: Kinder bauen nicht nur Hütten, sondern gestalten gemeinsam und lernen Verantwortung. Durch Mitbestimmung, gemeinsame Entscheidungen und das offene Konzept erfahren sie, dass jede Meinung zählt und Veränderung möglich ist. Seit 2023 wächst das Projekt stetig weiter und erreicht immer neue Gruppen – dank der Zusammenarbeit mit Schulen und engagierten Initiator*innen. Es ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Teilhabe stärkt, Hoffnung schenkt und Demokratie im Alltag lebendig macht.


2. Platz (9.000 Euro): Goethe-Universität Law Clinic I Goethe-Universität Frankfurt

Die Goethe-Universität Law Clinic (GLC) wurde im Sommer 2015 ins Leben gerufen und ist an die Johann Wolfgang-Goethe-Universität angebunden. Seit Entstehung der GLC erwerben Jura-Studierende in der GLC praxisorientiert Wissen im Sozial- und Migrationsrecht und wenden dieses Wissen im Zuge einer pro-bono Beratung unter Supervision selbstständig an.

Die Goethe Law Clinic (GLC) verbindet juristische Ausbildung mit gesellschaftlichem Engagement. Jura-Studierende beraten dort unter Supervision kostenlos im Sozial-, Migrations- und Asylrecht. Das Angebot richtet sich an Menschen, die aufgrund sozialer oder sprachlicher Hürden schwer Zugang zu rechtlicher Unterstützung haben, etwa Geflüchtete oder Wohnsitzlose. Ziel der GLC ist es, die Rechte dieser marginalisierten Gruppen zu stärken und ihnen mehr Teilhabe zu ermöglichen. Zusätzlich führen die Studierenden sogenannte Street-Law-Workshops durch, in denen sie Mitarbeitenden aus gemeinnützigen Einrichtungen rechtliche Grundlagen vermitteln. So unterstützt die GLC nicht nur Ratsuchende direkt, sondern stärkt auch das zivilgesellschaftliche Engagement in Hessen.

Die Jury sagt: Das ist ein Projekt, das Wissen teilt und Türen öffnet. Seit zehn Jahren zeigen Studierende hier, wie Jura zu gelebter Solidarität wird: Sie unterstützen Menschen, deren Stimmen sonst ungehört bleiben. Durch starke Netzwerke mit sozialen Einrichtungen entsteht ein Raum für Empowerment und Teilhabe. Die Law Clinic macht Recht zugänglich und stärkt so unsere Demokratie – herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz!


3. Platz (6.000 Euro): Landesheimrat Hessen

Der Landesheimrat ist ein ehrenamtliches, von jungen Menschen selbst organisiertes Gremium, das sich landesweit für die Rechte und die Mitbestimmung von jungen Menschen in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe einsetzt. Durch regelmäßige Sitzungen, Projekte und Öffentlichkeitsarbeit stärken wir Demokratie und Partizipation von jungen Menschen. 

Der Landesheimrat stärkt Demokratie durch echte Mitbestimmung junger Menschen in der Jugendhilfe. Demokratisch gewählte Jugendliche leiten eigene Arbeitsgruppen, organisieren Beteiligungswerkstätten, wirken an Gesetzen mit und setzen sich aktiv gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ein. Das Projekt fördert Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Selbstwirksamkeit und schafft nachhaltige Strukturen gelebter Demokratie – von jungen Menschen für junge Menschen.

Die Jury sagt: Der Landesheimrat Hessen gibt jungen Menschen, die außerhalb ihrer Familien leben, eine starke Stimme – und macht sie zu aktiven Gestalter*innen ihrer Zukunft. Hier erfahren sie echte Mitbestimmung und erleben, was Selbstwirksamkeit bedeutet. Durch ihre Mitarbeit an Gesetzen und in der Jugendhilfe zeigen sie, wie Teilhabe Demokratie stärkt. Ein beeindruckendes Beispiel gelebter Demokratie – von jungen Menschen, für junge Menschen. Herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz!


Anerkennungspreis (1.500 Euro): „Normalos - Die Inklusivreporter" I Lebenshilfe Gießen

Die „Normalos“ sind die Inklusivreporter der Lebenshilfe Gießen. Menschen mit und ohne Behinderung berichten gemeinsam auf Instagram über politische und gesellschaftliche Themen. Sie machen Inklusion sichtbar, fördern Teilhabe und beziehen klar Stellung gegen Diskriminierung und rechte Hetze – für eine vielfältige, demokratische Gesellschaft. Die inklusive Social-Media-Redaktion „Die Normalos“ der Lebenshilfe Gießen e.V. zeigt, wie Demokratie durch Mitmachen lebendig wird. Seit 2022 gestalten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Medieninhalte, die sich mit aktuellen gesell-schaftlichen, politischen und kulturellen Themen beschäftigen und veröffentlichen diese auf ihrem Instagram-Kanal. Ihr Ziel: Einsatz für inklusive, vielfältige und demo-kratische Gesellschaft. Ihr Leitspruch: „Wer oder was ist schon normal?“
 


Anerkennungspreis (1.500 Euro): „Interkultureller Männertreff" I Caritasverband Gießen/Vogelsbergkreis

Der Interkulturelle Treff für Männer in Alsfeld bietet Männern mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund wöchentliche Treffen zur aktiven Teilhabe: durch gemeinsame Freizeitgestaltung, Austausch, Infoveranstaltungen und Deutschpraxis. Demokratische Werte wie Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Selbstwirksamkeit werden gelebt. Das Projekt fördert Partizipation, Selbstorganisation und Vernetzung – und stärkt demokratische Kultur, indem es Ausgrenzung und Isolation konkret entgegenwirkt.

Wöchentlich treffen sich Männer, meist Geflüchtete, aus verschiedenen Ländern im Pfarrzentrum mit Ehrenamtlichen und einer hauptamtlichen Mitarbeiterin. Den Männern wird eine niederschwellige Anlaufstelle geboten. Sie erfahren Gemeinschaft, können Deutsch üben, erhalten Informationen über das Leben in Deutschland, Integration wird gefördert. Für Frauen, für Kinder, gibt es ein großes Angebot – für Männer, gerade mit Fluchterfahrung? Kaum. Das muss sich ändern.